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Die wilden 60er Jahre

Wie Alles begann

 

Lothar

Ein Streifzug durch unsere 60er Jahre

Die Anfänge lagen in den 60.er Jahren, als die Jungs in unserer damals noch relativ kleinen Stadt den Führeschein für Mopeds mit 50cc gemacht haben. Born to be wild Die Zündapp KS 50 Super Sport ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Begehrt waren auch die Kreidler Florett oder Herkules. Rainer G. ganz im Stil von James Dean Bald bildeten sich Mopedcliquen, die durch ihre auffällige Aufmachung der Kleidung und der Maschinen etwas von verruchten Rockerbanden an sich hatten.
Auch in unsere Kleinstadt schwappte also ein wenig von dem Lebensgefühl der Amerikanischen Easy Rider und James Dean Ära rüber. In der damaligen Zeit die noch sehr verpöhnte Levis Hose, die dazupassende Levis Jacke oder Lederjacke, wenn möglich riesige dunkle Sonnenbrillen. Glücklich konnte sich derjenige schätzen der im Besitz einer Kette mit der legendären James Dean Kugel war. Das Ganze wurde abgerundet mit den von einigen an den Mopeds angebrachten hohen Lenkern und hohen Rückenlehnen, die mit diversen Ketten versehen waren.
Lothar total in Easy Rider Manier
Man traf sie auf jeder Kirmes im Umkreis an, die durch ihre Anwesenheit erst so richtig interessant für uns Mädels wurden. Die passende Musik der Fahrgeschäfte, wie Jimmy Hendrix mit Hey Joe, The Who, The Beatles taten ihr übriges bei der Fahrt mit der Raupe, natürlich mit Verdeck. Auch der Autoscooter war bei Allen natürlich sehr begehrt. Man hoffte auf die Aufmerksamkeit dieser für uns exotischen Gestalten auf ihren heißen Öfen, die wir Mädels dann auch bald hatten.
Anfangs waren die bevorzugten Treffpunkte der Cliquen an den örtlichen Kinos, wie Magnet oder City Kino. Auch aus den benachbarten Orten kamen von nun an die Moped Cliquen und weitere Freundschaften wurden geschlossen. Natürlich waren vereinzelte Rivalitäten zwischen den verschiedenen Cliquen aus anderen Orten vorprogrammiert. Diese endeten dann nicht selten in handfesten Auseinandersetzungen.

Auch wir Mädels hatten selbstverständlich unsere Idole und wie jeder Teenager hatten wir auch ein Poesiealbum. Allerdings gestalteten sich die Seiten nicht wie eigendlich üblich.Wir verzichteten auf Glanzbilder mit Engelsgesichtern und Glimmer. Die sonst so tristen weißen Seiten schmückten Fotos unserer Angebeteten, zum Beispiel
Dave Davies wie Ricky Shayne mit- Ich sprenge alle Ketten. Das war nicht einfach nur so ein Lied, sondern ein Halleluja, bei dem wohl jedem Teenager die Gänsehaut über den Rücken lief. Auch Graham Bonny's Girl mit dem LA-LA-LA, oder sein Supergirl... Neil Christian
Ricky Shayne

Wahrscheinlich meinte er damit genau UNS. Neil Christian, einfach super süß, man schmolz dahin..., oder Dave Davies mit Death Of A Clown, The Beatles aber auch Dave Dee Dozy, Beaky, Mick and Tich. Dave Dee Dozy, Beaky, Mick and Tich

Es war für uns auch die Zeit der Mini-Röcke,

Kniestrümpfe und hautengen Pullis. Klar war es im Winter kalt damit, egal - gab es Eine die es wirklich zugab zu frieren? Aber mal ehrlich, Jungs- sah doch klasse aus?!
Wir hatten tatsächlich auch eine eigene Band in unserer Stadt - CANT EXPLAIN - dem Mick, dem Jürgen und dem Udo, sowie dem Drummer Ingo. CANT EXPLAIN

Als dann endlich das neue Jugendheim, unter der Schirmherrschaft von Pfarrer Schmeling, der zu jeder Zeit von Allen respektiert wurde und eine feste Institution in unserer Stadt war, eröffnet wurde, traf man sich dort jeden Tag. Unter Mithilfe einiger Jungs wurde ein Raum im Untergeschoß als Kellerbar umgebaut, leere Bierfässer dienten als Sitzmöglichkeit, an den Wänden wurden Eierkartons aufgeklebt und mit Alufolie bespannt und selbst eine kleine Theke - natürlich ohne Alkoholangebot, wurde erstellt. Es gab einen großen Festraum in dem an den Wochenenden Disco war, entweder mit einer Liveband oder einem DJ. Das hat natürlich Niemand verpassen wollen. Mit hereingeschmuggeltem Alkohol wurden die Colaflaschen immer wieder aufgefüllt und wir hofften Alle inständig, daß es nicht bemerkt würde. Es gab auch einen sogenannten Raucherraum, in dem sich ausschließlich die "Älteren", soll heißen die ab 18jährigen, treffen konnten. Dieser Raum zog selbstverständlich uns Mädels an, wie Aas die Fliegen. War ja auch der Interessanteste Ort im ganzen Jugendheim, dort war nun mal das Meiste los! Oftmals waren dort auch recht verwegene Gestalten und somit einige Jahre Knast anwesend, von dem wir Mädels uns gefälligst fern halten sollten. Ständige Kontrollen des Jugendheimleiters machten uns das Leben somit schwer. Jedoch fanden wir immer wieder eine Möglichkeit unerwischt dort Einlass zu finden. Schließlich waren die Jungs wirklich super in Ordnung und wir hatten mit ihnen niemals irgendwelche Probleme. Nun war das Jugendheim bald fest in der Hand unserer Jungs. Sie lieferten sich, aus heutiger Sicht, wirklich unglaubliche Kapriolen. So wurde unter Anderem schon mal mit dem Moped die Stufen ins Jugendheim hochgefahren und seine Runden dort drinnen gedreht.
Zu diesem Zeitpunkt wurde in unserer Stadt ein Film gedreht. Die Hupe mit Thomas Fritsch in der Hauptrolle. Einem Jungstar der 60.er Jahre. Sie suchten eben für diesen Film geeignete Rocker und kamen durch Zufall oder nicht auf unsere Jungs. Da die Filmcrew begeistert war von ihren Fahrkünsten und ihrem doch recht verwegenem Aussehen, sollten sie vom Fleck weg in dem Film mitspielen.
Bei gutem Essen und Trinken wurde die Thematik ihres Einsatzes durchgesprochen. Jedoch kam es den Jungs nur auf den ihnen gebotenen kostenfreien Abend an.

Somit wurden sie eben keine Filmstars.

Aber schon Bald wurde ein geeigneterer Treffpunkt gefunden, an dem sich von da an jeden Tag unsere Freizeit abspielte. In einem Eiscafe, bei Nico, hatten wir über lange Zeit unsere Zusammenkünfte. Auch dort traf sich nun wieder die ganze Clique und auch aus den Nachbarorten kamen sie dorthin. Nach Feierabend platzte dort das Cafe' aus allen Nähten. Wenn man heute so über die Namen bzw. Spitznamen nachdenkt, muß man wirklich schmunzeln, denn da waren unter Anderem der immer breitbeinig gehende "Kacka" der einen echten Affen zu Hause hatte, "Ede mit der Geige", "Hoss", "Schattenboxer", "Buko", "Buggi", "Buddy", - die Liste wäre viel zu lang um Alle aufzuzählen.
Bis das Cafe einen neuen Besitzer bekam und es dort für uns uninteressant wurde. Ein neuer Treff wurde gesucht und gefunden . Von nun an traf man sich in Buggis Garage. Sie gehörte seinen Eltern und sie hatten sie zur Verfügung gestellt. Kurzerhand wurde daraus der beliebteste Treffpunkt der gesamten Clique.

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